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Süßstoffe in der Muttermilch nachgewiesen

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Süßstoffe wie Saccharin, Sucralose, Aspartam und Acesulfam-Kalium, werden von der allgemeinen Bevölkerung häufig konsumiert. Deren Verzehr gilt im Allgemeinen unbedenklich. Sucralose ist der am häufigsten verwendete Süßstoff und wird oft mit Acesulfam-Kalium in einer Vielzahl von Lebensmitteln und Getränken kombiniert. Ob eine frühe Süßstoff-Exposition über die Muttermilch eine klinische Auswirkung auf den Säugling kann derzeit nicht belegt werden.Die Haupteinsatzgebiete für Süßstoffe sind energiereduzierte Erfrischungsgetränke, Desserts, Süßwaren, Süßstofftabletten für Getränke (Tee, Kaffee). Die Süßkraft der einzelnen Süßstoffe ist konzentrationsabhängig und nimmt mit zunehmender Süße ab. In ihren ernährungsphysiologischen Eigenschaften unterscheiden sie sich grundlegend von Zuckern und Zuckeraustauschstoffen. Süßstoffe liefern praktisch keine Energie, werden insulinunabhängig verwertet, sind nicht kariogen und wirken nicht konservierend. Bei üblichen Verzehrsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen sind keine gesundheitlichen Nachteile durch Süßstoffe zu erwarten. Da Süßstoffe praktisch energiefrei sind, schädigen sie die Zähne nicht. Genau wie Zucker fördern Süßstoffe jedoch die Gewöhnung an den süßen Geschmack. Aufgrund des geringen Körpergewichts bei Kindern könnten die akzeptierten täglichen Aufnahmemengen überschritten werden. Süßstoffe sind Substanzen mit intensivem Süßgeschmack (30 – 10.000fache Süßkraft von Saccharose), die entweder Lebensmitteln als Süßungsmittel zugesetzt oder als Ersatz für Haushaltszucker in Tablettenform bzw. als konzentrierte Lösung angeboten werden. In der EU zugelassene synthetische Süßstoffe sind Acesulfam K, Aspartam, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin DC, Aspartam-Acesulfamsalz.

Eine kürzlich durchgeführte Studie untersuchte den Süßstoff-Gehalt von Muttermilchproben. Saccharin, Sucralose und Acesulfam-Kalium wurden in 65% der Milchproben der Studien-Teilnehmer entdeckt, während Aspartam nicht erkannt wurde. Diese Daten zeigen, dass Süßstoffe häufig von gestillten Kindern eingenommen werden. Prospektive klinische Studien sind notwendig, um festzustellen , ob eine frühe Süßstoff-Exposition über die Muttermilch eine klinische Auswirkung auf den Säugling hat.

Aufgrund der kindlichen Unreife von Transportern und Enzymen, die zur Verstoffwechselung dienen, sowie der geringeren Filtrationsraten kann es möglicherweise zu Auswirkungen beim Säugling kommen, wie erhöhte Aufnahme, verzögerte Ausscheidung, Übergang ins zentrale Nervensystem und Beeinträchtigung der Appetit-Kontrolle. Ein weiterer Aspekt ist ob die Konzentrationen der Süßstoffe in der Muttermilch ausreichen, um die Süße der Muttermilch zu intensivieren und ob diese künftige Nahrungsmittelpräferenzen beeinflussen und zur Auswahl von Lebensmittel beitragen können? Die maximale Konzentration von Sucralose die in der Muttermilch gemessen wurden war 0,034 µg / ml. Diese maximale Konzentration von Sucralose in der Muttermilch ist siebenmal höher als die Geschmacks-Wahrnehmungsschwelle beim Erwachsenen. Auch eine Beeinflussung der Zusammensetzung der Mikrobiota des Neugeborenen ist nicht auszuschließen.

Insgesamt gibt es derzeit unzureichenden Daten zu den Folgen einer frühen Exposition von Süßstoffen in der Muttermilch. Die Forscher empfehlen Vorsicht bei der Annahme dass der Verzehr von Süßstoffen für Stillende unbedenklich ist.

 

Quellen:

aid – Infoheft zu Zucker, Zuckeraustauschstoffen und Süßstoffe

AK-Erhebung 04/06, Erfrischungsgetränke und Eistees (Zuckergehalt der Getränke, künstliche Süßstoffe)

aid-Infodienst Nr. 1157/2004 „Zucker, Sirupe, Honig, Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe“

Rother K., et. al: Non-nutritive sweeteners in breast-milk: perspecitve on potential implications of recent findins; Arch Toxicol (2015) 89:2169-2171

Sylvetsky AC, Gardner AL, Bauman V, Blau JE, Garraffo HM, Walter PJ, Rother KI (2015) Nonnutritive sweeteners in breast milk. J; Toxicol Environ Health A 78:1029–1032

 

 

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