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Sind gestillte Kinder später intelligenter?

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In einer aktuellen Studie zeigen brasilianische Forscher, dass Muttermilch offenbar einen Einfluss auf den IQ der Babys und ihr späteres Einkommen hat – unabhängig vom sozialen Status der Eltern.

Eine aktuelle Studie aus Brasilien, die jetzt im Lancet veröffentlicht wurde, scheint diese These zu bekräftigen. Die Forscher um Bernardo Lessa Horta von der Universidade Federal de Pelotas sammelten dafür Daten von 5914 Kindern, die 1982 in der südbrasilianischen Stadt Pelotas geboren wurden. Diese teilten sie je nach Stilldauer in fünf verschiedene Gruppen ein: Weniger als einen Monat, ein bis drei Monate, drei bis sechs Monate, sechs bis zwölf Monate, mehr als zwölf Monate. Auch Zufüttern mit Tee oder Wasser wurde erfasst.

Nach 30 Jahren unterzogen sie die noch verbliebenen 3493 Teilnehmer der Studie einem Intelligenztest. Das Ergebnis: Umso länger Babys voll gestillt wurden, desto mehr Punkte erreichten sie später als Erwachsene auf der IQ-Skala. Drei Monate volles Stillen beispielsweise brachte durchschnittlich 0,7 Punkte mehr; ein ganzes Jahr hauptsächlich Muttermilch sogar vier Punkte. Zufüttern schmälerte den Effekt um etwa die Hälfte.

Zudem beobachteten die Forscher den beruflichen Werdegang sowie den sozialen Status der Probanden. Auch hier schnitten die lange voll gestillten Kinder gegenüber ihren mit Fläschchen gefütterten Altersgenossen besser ab. Sie verfügten demnach durchschnittlich über fast ein Jahr mehr Schulbildung und verdienten mit 30 Jahren 341 Reais (knapp 100 Euro) pro Monat mehr. In Brasilien entspricht das etwa einem Drittel des durchschnittlichen Einkommens.

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, spielen die soziale Herkunft, das Einkommen und der Bildungsstand der Mütter keine Rolle für das Stillen. „Das Stillen ist unter hochgebildeten, gut verdienenden Frauen nicht stärker verbreitet, sondern gesellschaftlich gleich verteilt“, hieß es. Für die positiven Effekte der Muttermilch auf die Intelligenz werden vor allem langkettige gesättigte Fettsäuren verantwortlich gemacht, die wichtig für die Entwicklung des Gehirns sind.

Quelle: http://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(15)70002-1/fulltext

Victora, Cesar G et al.: Association between breastfeeding and intelligence, educational attainment, and income at 30 years of age: a prospective birth cohort study from Brazil; The Lancet Global Health , Volume 3 , Issue 4 , e199 – e205; DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S2214-109X(15)70002-1

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