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Silberhütchen in der Behandlung von wunden Brustwarzen

Silverette_Cups

Silber ist seit der Antike bekannt und gilt als ein natürliches, antibakterielles und heilendes Mittel. Mit der Entdeckung von modernen Antibiotika geriet es in Vergessenheit und wurde kürzlich nach Episoden von Antibiotikaresistenzen wiederentdeckt.[1]

In der Behandlung von wunden Brustwarzen ist Silber ein Therapievorschlag, der möglicherweise unnötige Antibiotikagaben vermeiden kann. Eine kürzlich im Breastfeeding Medicine veröffentlichte Studie zeigte, dass die Behandlung von Fissuren an den Brustwarzen mit dem Silberhütchen (Silver Cap®) wirksamer war als eine Standard-Pflege-Behandlung der Brustwarze. Das silberimprägnierte Stillhütchen aus dreischichtigen Laminat aus 999 ‰ Silber (Silver Cap® – Depofarma) förderte den Heilungsprozess der Läsionen, und es wurde von den Teilnehmern gut vertragen und akzeptiert. Zur Anwendung von Silber bei wunden Brustwarzen gibt es derzeit noch keine evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen. Bei Hinweisen oder Verdacht auf eine Silberallergie oder Überempfindlichkeit dürfen Silberhütchen nicht verwendet werden. Anders als unter Verwendung von Cremes und Salben, ändert die Verwendung von Silberhütchen den Geschmack und Geruch von Muttermilch nicht, da keine Substanzen auf der Brustwarze bleiben, sobald das Silberhütchen entfernt wird.

Das Ziel der Studie ist die Untersuchung der Wirksamkeit einer medizinischen topischen Behandlung mit Silver Cap® für die Behandlung einer Brustwarzen Fissur, verglichen mit der gemäß den Leitlinien[2] empfohlenen Standardbehandlung. Die Durchführung erfolgte in einer randomisierten prospektiven Beobachtungs-Studie mit 40 Probanden mit Brustwarzen Fissuren. Eine Fissur wurde als Perforation definiert, die während der Stillzeit zu jeder Zeit auftreten kann. Die Interventionsgruppe erhielt Silver Cap® (Silberbeschichtetes Hütchen) zur Behandlung der eingerissenen Brustwarzen. Die Kontrollgruppe erhielt ein Handbuch zur Standard-Brustwarzen-Pflege sowie den Hinweis zur Behandlung mit Muttermilch oder Lanolin, wie in den S3 Leitlinien zur Therapie von entzündlichen Brusterkrankungen in der Stillzeit beschrieben.[3] Die Kontrollgruppe behandelte Burstwarzen Fissuren ausschließlich mit Muttermilch. Alle Probanden erhielten eine Stillberatung von einer IBCLC Stillberaterin. Die Dauer der Intervention erstreckte sich über 15 Tage. In den ersten Tagen zeigten sich keine Unterschiede in der Behandlung. Am Tag 7 und 15  gab  es eine schnellere Heilung der schmerzhaften Symptome in der Silver-Cap®-Gruppe verglichen mit der Kontrollgruppe (p <0,05). Die Behandlung mit dem Silberhütchen wurde gegenüber der Standardtherapie (p <0,05) bevorzugt.

 

Wunde Brustwarzen

Stillprobleme, wie wunde Brustwarzen, sind häufig genannte Gründe für einen frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung, obwohl sie behandelbar sind. Sie können jederzeit während der Stillzeit auftreten. Die Inzidenz von Brustwarzen-Schmerzen und/oder Fissuren während des Stillens liegt zwischen 11% und 96%.[4] Die abweichende Unterstützung der Frauen (z.B. Geburt in einer BFHI zertifizierter Klinik oder nicht) könnte diese große Variabilität erklären. Eine durchgeführte Studie zeigte, dass 58% der Frauen über Brustwarzenschmerzen während der ersten 8 Wochen des Stillens berichteten.[5] Wunde Brustwarzen stehen in einem engen Zusammenhang mit verstärkter initialer Brustdrüsenschwellung und Milchstau. Sie sind zudem ein Risikofaktor für das Auftreten weiterer Stillprobleme wie Milchstau und Mastitis sowie für einen frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung. Bei wunden Brustwarzen handelt es sich um verletzte Brustwarzen mit oder ohne Infektion (Fissuren, Rhagaden, etc.). Die Ursachen dafür können reibungs- und saugbedingte Wunden sowie Infektionen sein. Ungünstige Stillhaltungen und nicht korrektes Ansaugen (Erfassen von der Brustwarze, Areola und Brustgewebe) bzw. ein falsches Saugverhalten des Kindes gelten als die häufigsten Ursachen für wunde Brustwarzen. Die Brust inklusive der Brustwarzen sind natürlicherweise mit Mikroorganismen der physiologischen Hautflora (Mikrobiota) besiedelt. Verletzungen der Hautbarriere wirken prädisponierend für eine Infektion der Brustwarze. Die häufigsten Erreger sind Staphylococcus aureus und beta-hämolysierende Streptokokken. Selten können auch bakterielle Erreger oder Candida Infektionen verursachen.[6]

 Stillberatung – erster Schritt vor der Theapie!

Vor Beginn einer Therapie zur Behandlung wunder Brustwarzen sollen folgende Ursachen mit einer Laktationsberaterin evaluiert werden: Stilltechnik (Position und Frequenz); Saugtechnik des Kindes; Anwendung von Stillhilfsmittel (Pumpen, Stillhütchen); anatomische Besonderheiten beim Kind und der Mutter; Psychische Faktoren; verstärkt initiale Brustdrüsenschwellung, etc..

Bei der Therapie wunder Brustwarzen sind die allgemeinen Regeln der Händehygiene einzuhalten. Stilleinlagen sollten häufig gewechselt werden und luftdurchlässige Artikel bevorzugt werden.

Therapie wunder Brustwarzen gemäß der evidenz- und konsensbasierten Empfehlungen in Deutschland.

  • Lanolin/Muttermilch: Anhand der langjährigen Erfahrungen aus der Praxis kann die topische Verwendung von Muttermilch oder hochgereinigtem Lanolin empfohlen werden. Zwingen starke Anlegeschmerzen zu einer Stillpause an der betroffenen Brust, sollte die Brust (so häufig wie vorher gestillt wurde) manuell oder mechanisch entleert werden.
  • Alkoholische Lösungen, Cremes oder Salben auf Paraffinbasis sollen den betroffenen Frauen aufgrund der hohen Exposition von mineralischen Paraffinen des Kindes nicht empfohlen werden. Alkoholische Lösungen, Salben oder Cremes trocknen die Haut aus und können dadurch schädigen.
  • Therapie infizierter Brustwarzen: Neben der Händehygiene ist auch auf eine sorgfältige Reinigung der Brustwarzen unter Anwendung steriler Kochsalzlösungen, pH-neutraler Seifenlösung oder eines Antiseptikums zu achten. Infizierte Brustwarzen stellen ein hohes Risiko für eine Mastitis dar uns sollten antibiotisch behandelt werden.

Möglichkeiten zur ergänzenden Therapie mit Silber in der Behandlung von wunden Brustwarzen:

BreastfeedSilverette® sind zwei Hütchen aus reinem 925er Silber. Sie werden von der Firma Silverette® hergestellt und unterliegen der Medizinprodukterichtlinie 93/42 EEC. Dieses ist das reinste, massive Silber, das man in Form bringen kann. Anderes Silber könnte, da es oftmals mit anderen Metallen vermischt wird, schneller Allergien auslösen. Silverette® Stillhütchen sind nickelfrei. Die positiven Eigenschaften von Silber sind seit vielen Jahren bekannt und im medizinischen Bereich genutzt. Dank ihrer Zusammensetzung unterstützen sie eine wirksame antibakterielle Wirkung in Kombination mit einer wertvollen Heilwirkung, die hilft, die Risse zu heilen und vor bakterieller Kontamination schützt. Die Silberhütchen sind speziell geformt, um sich der anatomische Form der Brustwarzen anzupassen, um das Millieu feucht und hypoxischen zu halten, aber dennoch vor äußeren Einwirkungen, wie Reibungen mit der Kleidung zu schützen. Die feuchte Wundheilung „Hypoxie“ ist vorteilhaft um das Wachstum aerober Bakterien zu vermeiden. Überempfindlichkeit gegen Silber ist eine absolute Kontraindikation für die Verwendung von Silberhütchen.

Gebrauchsanweisung:

  • Stillhütchen sollen zwischen den Stillmahlzeiten angelegt werden.
  • Nach der Stillmahlzeit lässt man ein paar Milchtropfen in jedem Stillhütchen und legt die Hütchen direkt an die Brustwarze.
  • Vor dem Stillen sind die Stillhütchen zu entfernen und die Brust ist mit Wasser abzuspülen.
  • Während der Behandlung mit Silber-Stillhütchen dürfen keine Brustwarzen-Cremen verwendet werden.
  • Nach dem Gebrauch sind die Hütchen mit Wasser zu reinigen. Reste von Muttermilch können mit einer milden Seife und mit fließendem Wasser abgewaschen.
  • Zur Reinigung dürfen keine Scheuerlappen oder Desinfektionslösungen verwendet werden.
  • Die Stillhütchen können bequem unter einem Still-BH getragen werden. Silberhütchen sind für mehrere Schwangerschaften wiederverwendbar.

Bezugsmöglichkeiten:

Quelle: 

[1] SF Lo, M Hayter, CJ Chang, et al. A systematic review of silver-releasing dressing in the management of infected chronic wounds. J Clin Nurs 2008;17:1973–1985.

M Yamanaka, K Hara, J Kudo. Bactericidal actions of a silver ion solution on Escherichia coli, studied by energy-filtering transmission electron microscopy and proteomic analysis. Appl Environ Microbiol 2005;71:7589–7593.

G McDonnell, AD Russell. Antiseptics and disinfectants: Activity, action, and resistance. Clin Microbiol Rev 1999;12:147–179.

DJ Leaper. Silver dressings: Their role in wound management. Int Wound J 2006;3:282–294.

DM Caruso, KN Foster, SA Blome-Eberwein. Randomized clinical study of hydrofiber dressing with silver or silver sulfadiazine in the management of partial-thickness burns. J Burn Care Res 2006;27:298–309.

ABG Landsdown. Pharmacological and toxicological profile of silver as an antimicrobial agent in medical devices. Adv Pharmacol Sci 2010;2010:910686.

TJ Berger, JA Spadaro, SE Chapin, et al. Electrically generated silver ions: Quantitative effects on bacterial and mammalian cells. Antimicrob Agents Chemother 1976;9:357–358.

[2] A Jacobs, M Abou-Dakn, K Becker, et al. S3-Guidelines for the treatment of inflammatory breast disease during the lactation period. AWMF Guidelines, Registry No. 015/071 (short version) AWMF Leitlinien-Register Nr. 015/071 (Kurzfassung). Geburtshilfe Frauenheilkd 2013;73:1202–1208.

[3] A Jacobs, M Abou-Dakn, K Becker, et al. S3-Guidelines for the treatment of inflammatory breast disease during the lactation period. AWMF Guidelines, Registry No. 015/071 (short version) AWMF Leitlinien-Register Nr. 015/071 (Kurzfassung). Geburtshilfe Frauenheilkd 2013;73:1202–1208.

[4] Brent N, Rudy SJ, Redd B, et al. Sore nipples in breast-feeding women: A clinical trial of wound dressings vs conventional care. Arch Pediatr Adolesc Med 1998;152:1077–1082.

Ziemer MM, Paone JP, Schupay J, et al. Methods to pre- vent and manage nipple pain in breastfeeding women. West J Nurs Res 1990;12:732–743.

Ziemer MM, Pigeon JG. Skin changes and pain in the nipple during the 1st week of lactation. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs 1993;22:247–256.

[5] Buck M, Amir LH, Cullinane M, et al. Nipple pain, damage and vasospasm in the first eight weeks postpartum. Breastfeed Med 2014;9:56–62.

[6] A Jacobs, M Abou-Dakn, K Becker, et al. S3-Guidelines for the treatment of inflammatory breast disease during the lactation period. AWMF Guidelines, Registry No. 015/071 (short version) AWMF Leitlinien-Register Nr. 015/071 (Kurzfassung). Geburtshilfe Frauenheilkd 2013;73:1202–1208.

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