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Schlafverhalten und nächtliche Mahlzeiten

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Das Schlaf-Verhalten des Neugeborenen bewegt junge Familien. Eine neue Studie untersuchte die Auswirkungen von Beikost, Stillen und Formularnahrung auf das Schlafverhalten und den nächtlichen Mahlzeiten im Alter von 6-12 Monaten. 

Obwohl viele Eltern erwarten, dass ein Neugeborenes häufig (alle 2-3 Std.) aufwacht,  wird es schon als entwicklungsbedingtes Ziel sowie persönlicher Erfolg der Eltern angesehen, dass ein Baby mit einigen Monaten durchschläft. Nächtliches Erwachen ist die biologische Norm. Neugeborene haben ein angeborenes Verlangen nach Nähe zu ihren Müttern. Dies vor allem, um häufig gestillt zu werden, da der Magen der Säuglinge noch keine großen Mengen verträgt.  Ebenso ist es für die Milchbildung wichtig in kurzen Intervallen (auch nachts) zu stillen. Der aktive Schlaf der Kinder, der zum leichteren Erwachen führt, schützt vor dem plötzlichen Kindstod (SIDS).[1]

In den ersten Monaten scheint es einen Zusammenhang zwischen häufigeren nächtlichen Erwachen und der Nahrungsverabreichung zu geben. Formularernährte Kinder beginnen früher längere Perioden zu schlafen als gestillte Kinder.[2] Dies wird durch die längere Verweildauer der Formularnahrung im Magen sowie erschwerten Verdauung der auf Kuhmilch basierenden Nahrung begründet[3], die zu einer längeren Sättigung führt und auf eine größere Trinkmenge zurückzuführen ist[4]. Gestillte Kinder benötigen in den ersten Monaten mehr nächtliche Stillmahlzeiten.[5]

Ab einem Alter von 3 Monaten erwarten Eltern in den Industrieländern, dass ihre Kinder durchschlafen. Eltern tendieren dazu ihr Kind schreien zu lassen, statt es mit körperlicher Nähe zum Wiedereinschlafen zu bringen, was dazu führen kann, dass der Cortisolspiegel [6] ansteigt und die Gehirnentwicklung[7] beeinflusst wird.

Eine Studie zeigte einen Zusammenhang zwischen nächtlichem Aufwachen und Depression.[8], [9] Obwohl dies zum Großteil auf die Erschöpfung zurückzuführen ist, bleibt auch die Möglichkeit, dass dies durch Versagensgefühle, den gesellschaftlichen und familiären Anforderungen nicht nachkommen zu könne, beeinflusst wurde. Hier bedarf es vor allem einer Aufklärung über die biologische Norm des kindlichen Schlafes. Dies würde auch dazu führen dass weniger Schlaf-Lern-Programme angewendet werden. Mütter die ihr Kind stillen, schlafen laut einer Studie mehr als Mütter die ihren Kindern Formularnahrung verabreichen.[10]

Eine kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte das nächtliche Aufwachen, nächtliche Nahrungsaufnahme bei Kindern im Alter von 6-12 Monaten hinsichtlich der Stillhäufigkeit und Beikostverabreichung. In der Studie wurden 715 Mütter mit einem Kleinkind im Alter von 6 – 12 Monaten interviewt. 78,6 % der Kleinkinder in dieser Altersgruppe (6-12 Monate) weckten  immer noch regelmäßig  – mindestens einmal in der Nacht – ihre Eltern, von denen  61,4 % mindestens einmal eine Milchmahlzeit erhielten. Im Durchschnitt wachten die Kinder 1,76x in der Zeit zwischen 18 Uhr und 8 Uhr auf (bei einer Reichweite zwischen 1 und 7). Milch-Mahlzeiten wurden in dieser Zeit im Durchschnitt 1,4 verabreicht (bei einer Reichweite von ebenfalls 1 und 7). Milchmahlzeiten wurden im Durchschnitt 5,22 Mal tagsüber verabreicht. (Reichweite 1 bis 9). Während Formularnahrung im Durchschnitt 4,84 pro Tag verabreicht wurde, wurden die Kinder tagsüber im Schnitt 5,72 Mal gestillt. [11]

Zeitpunkt der Beikosteinführung und Beikostverabreichung haben keinen Einfluss auf das Schlafverhalten. Viele junge Mütter glauben, dass die Ernährung ihrer Kinder mit ihrem Schlafverhalten in Zusammenhang steht. Sie verabreichen ihren Kindern Formularnahrung (z.B. eigens beworbene „Gute-Nach-Formularnahrung“) oder vermehrt feste Nahrung (wie beispielsweise eigens beworbene „Gute-Nacht“-Getreide-Milch-Breie, die meist einen hohen Zuckergehalt aufweisen), alles nur um den Schlaf des Kindes zu fördern. Frühzeitiges Abstillen bzw. frühe Beikosteinführung sowie eine größere Beikostmenge hatten keinen Einfluss auf das Schlafverhalten. Kinder die tagsüber mehr Nahrung zu sich genommen hatten, wachten genauso oft auf. Sie waren allerdings nicht hungrig, brauchten jedoch Zuwendung um wieder einschlafen zu können. Sowohl das nächtliche Aufwachen als auch die nächtlichen Mahlzeiten nehmen mit zunehmendem Alter des Kindes ab. Kinder zu motivieren tagsüber mehr zu essen ist nicht ratsam, da dies Übergewicht begünstigen kann und das natürliche Sättigungsverhalten beeinflussen kann. Kinder gewöhnen sich an die überhöhte Nahrungszufuhr, sie lernen über ihren Appetit hinaus zu essen.[12]

Kinder die Formular verabreicht werden schlafen im Alter von 6-12 Monaten nicht länger durch als Kinder die gestillt werden. Hinsichtlich der Häufigkeit des nächtlichen Aufwachens und der Anzahl der nächtlichen Mahlzeiten machte es keinen Unterschied, ob Kinder gestillt wurden oder Formularnahrung verabreicht bekamen.[13]

Anmerkung zur Studienmethode: Ungleiche Verteilung der Nahrungsverabreichung 31% Stillende versus 69% Formular. Unter Stillen bezog sich auf ausschließlich Stillende. Die Studienteilnehmer haben sich freiwillig gemeldet. [14]

Zusammenfassung:

Die Studie konnte einige gängige Ammenmärchen widerlegen.

  • Abstillen begünstigt nicht Durchschlafen
  • Beikost begünstigt nicht Durschlafen
  • Formularnahrung begünstigt nicht Durchschlafen
  • Gestillte Kinder erhalten im Alter von 6-12 Lebensmonaten tagsüber eine Milchmahlzeit mehr (Nahrungsaufnahme tagsüber: 6 Stillmahlzeiten versus 5 Formularmahlzeiten) als „Flaschenkinder“.

Zitat: Die Zeit, die unsere Kinder in unseren Armen, an Mamas Brust und in unserem Bett verbringen, ist ein vergleichsweise kurzer Teil ihres Lebens, doch die Erinnerung an unsere Liebe und Verfügbarkeit auch in der Nacht, werden sie ein Leben lang begleiten. Sears, William: Schlafen und Wachen (2005), S. XVI.

Quelle:

Brown A., Harries V.: Infant Sleep and Night Feeding Patterns During Later Infancy: Association with Breastfeeding Frequency, Daytime Complementary Food Intake, and Infant Weight: BREASTFEEDING MEDICINE Volume 10, Number 5, 2015 a Mary Ann Liebert, Inc.; DOI: 10.1089/bfm.2014.0153

[1] Schechtman VL, Harper RM, Wilson AJ, et al. Sleep state organization in normal infants and victims of the sudden infant death syndrome. Pediatrics 1992;89:865–870.

[2] Wright PM, McLeod H, Cooper MJ. Waking at night: The effect of early feeding experience. Child Care Health Dev 1983;9:309–319.

Zuckerman B, Stevenson J, Bailey V. Sleep problems in early childhood: Continuities, predictive factors, and be- havioral correlates. Pediatrics 1987;80:664–671.

Sievers E, Oldigs HD, Santer RE, et al. Feeding patterns in breast-fed and formula-fed infants. Ann Nutr Metab 2002;46:243–248.

[3] Van Den Driessche M, Peeters K, Marien P, et al. Gastric emptying in formula-fed and breast-fed infants measured with the 13C-octanoic acid breath test. J Pediatr Gastro- enterol Nutr 1999;29:46–51.

[4] Kohler L, Meeuwisse G, Mortenssen W. Food intake and growth of infants between six and twenty-six weeks of age on breast milk, cow’s milk formula, or soy formula. Acta Paediatr 1984;73:40–48.

[5] Butte NF, Jensen CL, Moon JK, et al. Sleep organization and energy expenditure of breast-fed and formula-fed in- fants. Pediatr Res 1992;32:514–519.

[6] Engert V, Efanov SI, Dedovic K, et al. Perceived early-life maternal care and the cortisol response to repeated psy- chosocial stress. J Psychiatry Neurosci 2010;35:370–377.

[7] Schore AN. Effects of a secure attachment relationship on right brain, affect regulation and infant mental health. Infant Mental Health J 2001;22:7–66.

[8] Dennis CL, Ross L. Relationships among infant sleep patterns, maternal fatigue, and development of depressive symptomatology. Birth 2005;32:187–193.

[9] Hiscock H, Bayer J, Gold L, et al. Improving infant sleep and maternal mental health: A cluster randomised trial. Arch Dis Child 2007;92:952–958.

Hiscock H, Wake M. Infant sleep problems and postnatal depression: A community-based study. Pediatrics 2001; 107:1317–1322.

Cheng CY, Li Q. Integrative review of research on general health status and prevalence of common physical health conditions of women after childbirth. Womens Health Is- sues 2008;18:267–280.

[10] Doan T, Gardiner A, Gay CL, et al. Breast-feeding in- creases sleep duration of new parents. J Perinat Neonatal Nurs 2007;21:200–206.

[11] Brown A., Harries V.: Infant Sleep and Night Feeding Patterns During Later Infancy: Association with Breastfeeding Frequency, Daytime Complementary Food Intake, and Infant Weight: BREASTFEEDING MEDICINE Volume 10, Number 5, 2015 a Mary Ann Liebert, Inc.; DOI: 10.1089/bfm.2014.0153

[12] Brown A., Harries V.: Infant Sleep and Night Feeding Patterns During Later Infancy: Association with Breastfeeding Frequency, Daytime Complementary Food Intake, and Infant Weight: BREASTFEEDING MEDICINE Volume 10, Number 5, 2015 a Mary Ann Liebert, Inc.; DOI: 10.1089/bfm.2014.0153

[13] Brown A., Harries V.: Infant Sleep and Night Feeding Patterns During Later Infancy: Association with Breastfeeding Frequency, Daytime Complementary Food Intake, and Infant Weight: BREASTFEEDING MEDICINE Volume 10, Number 5, 2015 a Mary Ann Liebert, Inc.; DOI: 10.1089/bfm.2014.0153

[14] Brown A., Harries V.: Infant Sleep and Night Feeding Patterns During Later Infancy: Association with Breastfeeding Frequency, Daytime Complementary Food Intake, and Infant Weight: BREASTFEEDING MEDICINE Volume 10, Number 5, 2015 a Mary Ann Liebert, Inc.; DOI: 10.1089/bfm.2014.0153

 

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