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Inwieweit hat die Schmerzmedikation einen Effekt auf einen erfolgreichen Stillbeginn?

Newborn baby girl

Eine beträchtliche Anzahl von Studien, einschließlich eines aktuellen Cochrane-Reviews[1] zeigen, dass die Positionierung eines Neugeborenen im Haut-zu-Haut Kontakt in der ersten Stunde postpartum positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Babys und der Mutter haben. Es wird angenommen, dass mütterliche Medikamente, einschließlich Fentanyl, aus dem Epiduralraum durch den Placentarkreislauf zum Fötus[2] mit einer Übertragungsrate von 0,892 gelangen kann[3].

Die Anzahl der Geburtseinleitungen haben in den USA seit den frühen 1990er Jahren um 22,8 % zugenommen.[4] Synthetisches Oxytocin (SYNOT) ist das am häufigsten verwendete Induktionsmittel im Jahr 2012 gewesen.[5] Dies, obwohl es in den USA eine Warnung für die Verabreichung von SYNOT gibt, die besagt, SYNOT nicht für elektive Geburtseinleitungen (Geburtseinleitung ohne medizinischer Indikation) zu verwenden, da keine ausreichende Daten zur Nutzen-Risikobeurteilung vorliegen. [6]

Neugeborene folgen einem Verhaltensmuster, wenn sie sofort nach der Geburt im Haut-Kontakt auf den Brustkorb der Mutter platziert werden. Sie beginnen instinktiv, ohne fremde Hilfe, die Mamille aufzufinden und innerhalb der ersten 60-90 Minuten an der Brust zu saugen.[7] Dieses instinktive Verhalten wird in die 9 Widström’s Stufen beschrieben. (Geburtsschrei; Entspannung; Erwachen; Aktivität; Pause; Kriechen; Gewöhnung; Saugen, Schlafen).

Diese Studie untersuchte das normale Saug-Verhalten innerhalb der ersten Stunde nach einer Vaginal-Geburt im Hautkontakt mit der Mutter hinsichtlich der während der Geburt verabreichten Medikamente. Die Forscher untersuchten, ob die Dosis der Medikation mit dem Saugverhalten korreliert. Untersucht wurden 63 Gebärende, die selbst entscheiden konnten, ob ihnen Schmerzmittel und/oder eine Anästhesie verabreicht wurden. Mittels Videoaufnahmen der Neugeborenen im Hautkontakt wurde analysiert inwieweit die Neugeborenen die 8. Stufe der „Widström’s 9 Stufen-Skala des Neugeborenen Verhaltens“ in den ersten 60 Minuten postpartum erreichten. Der Säugling wurde unmittelbar nach der Geburt für mindestens 60 Minuten auf die Brust der Mutter gelegt, während die Mutter eine halb-aufgerichtet Position einnahm. Ausgeschlossen wurden Neugeborene die länger als 10 Minuten, beispielsweise im Falle einer medizinischen Indikation, getrennt wurden. Durchschnittlich wurde Müttern eine Dosis von 3.937,92 Mikrogramm SYNOT verabreicht, bzw. eine Dosis von 5.704.40 Mikrogramm, wenn sie auch Fentanyl erhielten. Fentanyl wurde in einer Dosierung von 169,64 Mikrogramm verabreicht, bzw. in Kombination mit SYNOT erhielten Mütter 264,45 Mikrogramm.

Die Grafik zeigt eine dosisabhängige inverse Beziehung zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass der Säugling innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt zu Saugen beginnt und der Dosis der Fentanyl-Verabreichung.

Unbenannt

Grafik: Logistische Regression.
Quelle: Birth: Volume 42, Issue 4, pages 319-328, 13 OCT 2015 DOI: 10.1111/birt.12186

Die Grafik zeigt eine dosisabhängige inverse Beziehung zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass der Säugling innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt zu saugen beginnt und der Mengen von Fentanyl (p = 0,001, R2 = 0,264, konstant signifikant bei 0,05, CI 0,987, 0,997).

Eine  binäre logistische Regressionsanalyse zeigte dass die drei unabhängigen Variablen (Menge Fentanyl; Höhe SYNOT und Apgar Score bei 5 min) sich als signifikante Prädiktoren erwiesen, ob der Säugling gestillt wird oder nicht.

Zusammenfassung: Die Forscher fanden eine inverse Korrelation zwischen der Höhe und der Dauer der Exposition von Fentanyl (epidural verabreicht) sowie der Menge an synthetischem Oxytocin und der Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten Stunde postpartum an der Brust zu Saugen zu beginnen. Die kombinierte Verabreichung von Fentanyl und synthetischem Oxytocin bedarf weiterer Untersuchungen.

Quelle: Birth 2015: Volume 42, Issue 4, pages 319-328.

[1] Moore ER, Anderson GC, Bergman N, Dowswell T.: Early skin-to-skin contact for mothers and their healthy newborn infants. Cochrane Database Syst Rev. 2012;5:CD003519.

[2] Cooper J, Jauniaux E, Gulbis B, et al. Placental transfer of fentanyl in early human pregnancy and its detection in fetal brain. Br J Anaesth 1999;82(6):929–931.

[3] Moisés EC, deBarros Duarte L, de Carvalho Cavalli R, et al. Pharmacokinetics and transplacental distribution of fentanyl in epidural anesthesia for normal pregnant women. Eur J Clin Pharmacol. 2005;61(7):517–522. Epub 2005 Jul 15.

[4] Martin JA, Hamilton BE, Michelle JK, Osterman, MJ. Births: Final Data for 2012. National Vital Statistics Reports. 2013;62(9):1–68.

[5] Mealing NM, Roberts CL, Ford JB, et al. Trends in induction of labour, 1998-2007: A population-based study. Aust N Z J Obstet Gynaecol. 2009;49(6):599–605.

[6] Black Box Drug Look-Up. Accessed May 13, 2014. Available at: https://online.epocrates.com/u/10b2236/oxytocin/Black+Box+Warnings.

[7] Widström AM, Wahlberg V, Matthiesen AS, et al. Short-term effects of early suckling and touch of the nipple on maternal behaviour. Early Hum Dev 1990;21(3):153–163.

Widström A-M, Lilja G, Aaltomaa-Michalias P, et al. Newborn behaviour to locate the breast when skin-to-skin: A possible method for enabling early self-regulation. Acta Paediatr 2011;100(1):79–85.

Quelle: Brimdyr K., Cadwell K., Widström AM., et. al: The Association Between Common Labor Drugs and Suckling When Skin-to-Skin During the First Hour After Birth; Birth. 2015 Oct 13. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26463582

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