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Abstandhalter bei wunden Mamillen

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„Abstandhalter“ als ergänzende Therapie bei wunden Mamillen! 

Mamillenprobleme treten am häufigsten in den ersten Wochen nach der Geburt auf. Eine leichte Irritation oder Empfindlichkeit der Mamillen scheint in den ersten Tagen normal zu sein und könnte durch die hohen Prolaktinwerte verursacht sein.[1]


Durch eine gute und wechselnde Stillposition, korrektem Anlegen und einer Brustmassage, die eine ausreichende Oxytocinausschüttung begünstigt, kann das Wundwerden der empfindlichen Mamille minimiert werden. Sind Schmerzen bereits eingetreten, so kann neben der Ursachensuche und -behebung sowie entsprechender wundheilender Maßnahmen eine Druckentlastung durch Abstandhaltung die Heilung und vor allem das Wohlbefinden der Mutter fördern. In der Leitlinie S3 „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“ findet man derzeit keine Empfehlung zu „Abstandhaltern“, da der Einsatz von speziellen Stilleinlagekonstruktionen („Wiener-Brust-Donut“, MamaSafe®, sowie Silikon-Brustwarzenschoner) zur Hohllagerung der Mamille und damit zur Vermeidung von Druck auf die Brustwarze aufgrund fehlender Daten hinsichtlich einer Nutzen- und Schadenabwägung nicht beurteilt werden kann.[2]

Zu Beginn der Laktation leiden 34 % bis 96 % der Frauen unter Schmerzen an den Mamillen, wobei leichte Beschwerden durchaus als normal angesehen werden.[3] Der Schweregrad der Beschwerden kann jedoch von unangenehmen Empfindungen beim Stillen bis hin zu starken Schmerzen, die mit Hautverletzungen assoziiert sind, reichen. Wunde Brustwarzen sind zudem ein Risikofaktor für das Auftreten weiterer Stillprobleme wie Milchstau und Mastitis sowie für einen frühzeitigen Abbruch der Stillbeziehung. Schmerzen erhöhen das Risiko für frühzeitiges Abstillen um das 14-fache, wie eine Studie belegte.[4] Die Bayerische Stillstudie stellte als zweithäufigste Ursache für das Abstillen innerhalb der ersten beiden Monate Wunde Mamillen fest.[5]

36% aller Stillenden hatten bereits ein- oder mehrmals eine Brustentzündung, ergab eine kürzlich durchgeführte Umfrage. Für jede 10. Mutter sind Brustentzündungen ein Grund abzustillen.[6]

Präventiv ist zu empfehlen, in den ersten Tagen nach der Geburt auf Stilleinlagen und einen eng sitzenden BH zu verzichten, weil dadurch die Mamille abgeknickt und die Durchblutung gemindert wird. Bei der Wahl des BH sind synthetische Materialien, einengende BHs oder Push-up BHs welche die Belastung der Brust durch das Stillen verstärken, tendenziell zu meiden. Die Brust sollte nach dem Stillen im Idealfall lufttrocknen.

Bei sehr sensiblen Mamillen, bei wunden Mamillen und auch beim Vasospasmus ist es zusätzlich zu allen anderen Maßnahmen empfehlenswert, Abstandhalter auf die Brust zu legen, damit die Mamille aufgerichtet im BH stehen kann und durch Vermeiden des Abknickens oder Eindrückens die Durchblutung verbessert wird. Es ist eine ausreichende Distanz zu allen Materialien herzustellen, um vor einem Verkleben mit der Stilleinlage und/oder Kleidung zu schützen und um auch eine Druckentlastung der Mamille herbeizurufen.

Es gibt verschiedene „Abstandhalter“/Möglichkeiten um die Brust in der Phase bestmöglich zu schützen:

  • Wiener Brust-Donut – Selbstgemacht aus Stilleinlagen
  • MamaSafe® – Schaumstoff/Brustwarzenschutzring
  • Brustwarzenschutz aus einer Silikonmembran

Beim Wiener Brust-Donut, einem selbst hergestellten Hilfsmittel werden mehrere Stilleinlagen übereinander gelegt, mit Klebestreifen fixiert und in der Mitte wird ein Loch geschnitten. Dieser Ring wird dann mit einem Schlauchverbandumwickelt. Die genaue bebilderte „Bastel“-Anleitung kann hier heruntergeladen werden. http://www.stillen-institut.at/asp_service/upload/content/Der-Wiener-Brustdonut.pdf. Ideal für den Haus- und Eigenbedarf.

MamaSafe® ist die konsequente Fortführung der Idee des „Wiener Donuts“ – in Serienproduktion – ein 3cm dicker Schaumstoff/Brustwarzenschutzring basierend auf dem Vorbild der selbstgemachten Stilleinlagen. Der Einsatz einer Stilleinlage ist bei der Verwendung von MamaSafe® trotzdem möglich. Die MamaSafe® Brustwarzenschutzringe bestehen aus atmungsaktiven und saugfähigen Materialien (Baumwolle und Schaumstoff), die schonend zu der Haut sind. Sie sind paarweise verpackt und mit einer blauen und einer roten Naht gekennzeichnet. Die Kennzeichnung hilft dabei, immer denselben MamaSafe® Ring für dieselbe Brust zu verwenden, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden. In der Klinik empfiehlt es sich aus hygienischen Gründen und der sofortigen Verfügbarkeit Einwegprodukte zu verwenden.

Der selbst gebastelte Wiener Brust-Donut sowie MamaSafe® werden zumindest täglich oder wenn es durch Milch, Schweiß oder Wundsekret verunreinigt ist entsorgt. Ein Brustwarzenschutz aus Silikon kann nach einer Reinigung mehrfach verwendet werden.

Bezugsmöglichkeiten / Kosten: 

MamaSafe®: Der Preis pro Paar (in der 10 Paar Versandeinheit) beläuft sich für die Endverbraucherin auf EUR 5,64. Stillberaterinnen (nach IBCLC zertifiziert) und Hebammen können nach Vorlage ihres Hebammen-Ausweis, oder Ihr IBCLC-Zertifikat zum Einkaufspreis beim österreichischen Vertriebshändler Heintel Medizintechnik bestellen. Alle Stillexperten können ein Probe-Exemplar anfragen, telefonisch unter +43 (0)1 403 89 56-50, oder per E-Mail an: mamasafe@heintel.at

Wiener Brust-Donut: Gudrun von der Ohe: Bauanleitung für den Wiener Brust-Donut; Europäische Institut für Stillen und Laktation

Quelle:

[1] Cox DB, Kent JC, Casey TM, et al.: Breast growth and the urinary excretion of lactose during human pregnancy and early lactation: endocrine relationships. Exp Physiol. 1999;84:421-435

[2] Leitlinie 015/071 – S3-Leitlinie: Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-071l_S3_Therapie_entzündlicher_Brustentzündungen_Stillzeit_2__2013-02_01.pdf

[3] Morland-Schultz K, Hill PD (2005). Prevention of and therapies for nipple pain: a systematic review. J Obstet Gynecol Neonatal Nurs. 34 (4): 428-437.

[4] Schwartz K, D’Arcy HJ, Gillespie B, Bobo J, Longeway M, Foxman B (2002). Factors associated with weaning in the first 3 months postpartum. J Fam Pract. 51 (5): 439-444.

[5] Kohlhuber M, Rebhan B, Schwegler U, Koletzko B, Fromme H (2008). Breastfeeding rates and duration in Germany: a Bavarian cohort study. Br J Nutr. 99 (5): 1127-1132

[6] Online Umfrage unter Müttern von Kindern bis zum 3. Lebensjahr (meinungsraum.at), Juni 2015; im Auftrag von Milupa Österreich

 

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